Mein Grundig SVR 4004 Videorekorder.

Der Grundig SVR 4004 Videorekorder schlummerte Jahrzehnte in einer Kammer, zusammen mit 50 Bändern, bis er für diesen Beitrag nochmal an die Sonne durfte.

Grundig SVR 4004.

Grundig SVR 4004.

In einem früheren Beitrag habe ich etwas zu Videorekordern der späten 1970er/ frühen 1980er Jahre geschrieben. Ich hatte das Glück in einem Haushalt aufzuwachsen, in dem Medien schon immer eine große Rolle spielten – mit Tonband, Fotoapparaten und Super 8 Kameras bin ich groß geworden, und auch Videorekorder waren Teil meiner Kindheit.

Bis ich ihn beim Aufräumen wieder entdeckte, gut verpackt in einem Karton mit anderer Beschriftung, hatte ich nur noch vage Kindheitserinnerungen an unseren ersten Videorekorder, den SVR 4004 von Grundig, den „Super Video Rekorder“ („SVR“). Es war ein Toploader-Modell, das je nach Quelle entweder 1978 oder 1979 auf den Markt kam (mehr dazu weiter unten).

Das Gerät ist ein Biest: Nicht nur ist es groß (ca. 60×30 cm Grundfläche), sondern auch noch gute 15 kg schwer. OK Boomer, Flashback in die Zeiten der dazu passenden Röhrenfernseher, die waren nämlich auch hutzeschwer. Dafür sieht es auch heute noch robust und gut erhalten aus, auch wenn es schon bald 50 Jahre (!) auf dem Buckel hat, denn so früh hat es sich mein Großvater damals angeschafft.


Die SVC-Bänder.

Grundig SVC 4 Kassette für Super Video.
Originalverpackt!

Die Videokassetten, die zumindest anfangs groß mit dem Kürzel „SVC“ (für „Super Video Cassette“) beschriftet waren, zeigen ebenfalls ganz deutlich auf, dass diese Art der Heim-Medien damals wesentlich „professioneller“ waren als später. Auch hier ist zuerst die Bauform und das Gewicht auffällig: Die Bänder haben eine quadratische Grundfläche, nicht rechteckig wie man sie später von anderen Bandformaten wie dem über Jahrzehnte die Wohnzimmer dominierenden VHS kannte. Ein Band wog – nachdem man es aus der anfangs dominierenden Hartplastikhülle entnommen hatte – ungefähr 300 Gramm, ungefähr ein Drittel mehr als später die VHS-Kassetten.

Grundig SVC 3 Kassette für Super Video.
Bullauge für leichte Entnahme.

Dafür hatte man allerdings das Gefühl, ein Produkt mit hoher Wertigkeit in der Hand zu haben. Nicht zu unrecht, denn das VCR-System von Grundig hatte auch eine durchaus gute Bildqualität – in einer Zeit, in der Farbfernseher noch längst nicht in allen Wohnzimmern zu finden waren. Je nach Quelle kommt man auf eine Zahl von ca. 5 Millionen Farbfernseher, bei ca. 20 Millionen Fernseher insgesamt – in Westdeutschland, natürlich. Ich selbst erinnere mich noch sehr gut daran, wie wir um die Weihnachtszeit 1979 oder 1980 unseren ersten Farbfernseher bekamen… Aufregung pur, denn so ein Gerät entsprach damals durchaus mehreren Brutto-Monatsgehältern.

Grundig SVC Kassette für Super Video.

Zurück zu den Bändern: Die Hartplastik-Gehäuse haben die Zeit gut überstanden, sie sind noch genauso robust wie damals, und die Kassetten gleiten immer noch angenehm hinein und hinaus. Durch das „Bullauge“ auf der Rückseite ließen sich die Kassetten auch einfach hinausdrücken. Gut durchdacht, aber ich denke, die Produktionskosten waren entsprechend hoch. Was eine solche Leerkassette damals gekostet hat, ist mir leider völlig unbekannt. Wenn jemand historische Preise kennt, würde ich mich über eine Nachricht sehr freuen. 180 Minuten VHS-Kassetten kosteten um diese Zeit um 50 DM.

SVC Aufnahmedauer.

Heutzutage sind wir es gewohnt, dass man selbst auf fingernagelgroßen Speicherkarten so viele hochaufgelöste Videos speichern kann, dass man Wochen nonstop Bingewatching betreiben kann, aber Ende der 1970er Jahre sah die Welt natürlich ganz anders aus. Im Jahr 1980 wurden ~ 500.000 Videorecorder verkauft – zu einem Durchschnittspreis von 2.500 DM (Ungefähr ein doppeltes Brutto-Monatsgehalt). Die Aufnahmedauern damals lagen, je nach System, zwischen 1 und 3 Stunden. Die SVC-Kassetten von Grundig kamen genormt und mit so etwas wie einer Corporate Identity auf den Markt.

Grundig SVC 1 bis 4 Kassetten für Super Video.
Grundig SVC 1 bis 4 Kassetten für Super Video.

Die Bänder kamen als „SVC 1“, „SVC 2“, „SCV 3“ und „SVC 4“ auf den Markt. Die Zahl stand dabei für die Aufnahmedauer in Stunden, und sie waren auch durch die farbliche Zuordnung erkennbar: Rote Ziffer für 1 Stunde, grün für 2 Stunden, Türkis für 3 Stunden und Orange für 4 Stunden. Eine „SVC 5“ war zwar „Ab Herbst 1978“ angekündigt und ist z.B. in der Anleitung des Videorekorders bereits abgebildet, aber leider in Schwarz-Weiß. Da sie meines Wissens nach nie tatsächlich in den Handel kam, ist deren Farbkodierung wohl nicht mehr für die Nachwelt erhalten. Auch hier der Aufruf: Wer eine „SVC 5“ besitzt oder Fotos von ihr hat – ihr würde mich über eine Nachricht freuen.

Andere Hersteller lieferten später ebenfalls Bänder, zum Beispiel BASF. Zumindest von diesen gab es auch zusätzliche Aufnahmezeiten, die von der Grundig-Norm abwichen und auch etwas anders bezeichnet wurden, nämlich nur mit „SV“ bzw. „Super Video“ (neben „VCR“ und „Longplay“). So gab es eine „chromdioxid video cassette VC/60/130 – SV 3,5“, die 220 Minuten Aufnahmekapazität hatte, also ungefähr „3,5“ Stunden. Die längste mir bekannte Aufnahmedauer, zumindest anhand der Kassetten in meinem Fundus, scheint die „SV 4,25“ von BASF zu sein, die 255 Minuten Aufnahmedauer bot, bei einer Bandlänge von 606 Metern.


Frühe Aufnahmen.

Zwar gab es auch damals schon Fernseh- oder Videokameras (im Gegensatz zu „Filmkameras“ z.B. für Super 8), aber die waren nochmal teurer – und oftmals nur Schwarz Weiß, wie z.B. die Grundig FA 1005 („Für beweglichen Einsatz“), die in den Prospekten damit beworben wurde, dass man sie direkt an den Grundig SVR 4004 anschließen konnte. Aber das war damals so tief in einer Nische, dass es selbst bei uns erst mit VHS Mitte der 1980er Jahre eine Videokamera gab.

Grundig SVC 1 Kassette für Super Video mit Aufnahmen vom November 1978.
Aufnahmen von 1978.

Zu 99% wurden daher sicherlich damals TV-Sendungen aufgezeichnet. Auf einigen Labels der Kassetten kann man noch erkennen, was darauf zu finden sein dürfte, zum Beispiel die ZDF Hitparade vom 11.12.1978 (Folge 112). Damit dürfte auch endgültig klar sein, dass der Grundig SVR 4004 schon 1978 auf den Markt kam und gekauft werden konnte.

Ob die alten Aufnahmen tatsächlich noch die Zeit überdauert haben, oder ob die Bänder nur noch magnetisches Restrauschen enthalten – das kann ich leider nicht sagen, ich habe den Rekorder nicht eingeschaltet aus Angst, damit etwas zu zerstören. Er war zwar die letzten Jahrzehnte in einem trockenen Zimmer bei konstanten ca. 20 Grad, aber ich möchte nicht riskieren, dass ein ausgelaufener Kondensator oder eine kalte Lötstelle aus einer kleinen Reparatur für Profis einen Totalschaden machen. Übrigens: Wer Interesse an dem Rekorder und ungefähr 50 SVC-Bändern hat (einige davon sogar noch originalverpackt!), der darf sich gerne bei mir melden. Aufgrund des Volumens und des Gewichts wäre allerdings eine Abholung zu bevorzugen.

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