Ende der 1980er Jahre gab es für den Commodore Amiga natürlich auch Original Commodore-Disketten im 3,5 Zoll Format zu kaufen. Eine kleine nostalgische Zeitreise mit einem bislang weitgehend unbekannten D.O.C-Demo.
3,5 Zoll Disketten als Standard – und Vorlage für das „Speichern-Icon“.
Ende der 1980er Jahre waren 3,5 Zoll Disketten bei den populären Heimcomputern von Atari und Commodore der Standard. Ich erspare mir hier die unterschiedlichen Feinheuten, was 1DD, 2DD, HD, SSDD etc. angeht – dafür kann man sicherlich bessere und ausführlichere Angaben in der Wikipedia finden. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass meine Disketten nach knapp 35 Jahren fast alle noch sehr gut lesbar waren.
Wichtig zu wissen wäre allerdings, dass die gleiche Diskette unterschiedlich viel speichern konnte – je nachdem, in welchem Computer sie zum Einsatz kam. Auf dem Atari ST waren das magere 720 KB, auf dem Amiga natürlich ungleich üppigere 880 KB. Das würde heutzutage gerade mal reichen für ein ordentlich komprimiertes JPEG-Bild – aber damals war das tatsächlich ausreichend Platz, um komplette Spiele mit Grafik und Sound zu speichern.
… und noch immer, auch wenn schon seit vielen Jahren keine Rechner mit Diskettenlaufwerken mehr verkauft werden, ist es in vielen Programmen das Standard-Symbol für das „Speichern“-Icon. Auch wenn es gerade durch diverse „Cloud“-Icons nach und nach abgelöst wird.
Commodore-Disketten für den Amiga.
Für die Disketten gab es viele Hersteller – und No-Name Varianten, die ein klein wenig billiger waren. Um das Jahr 1988/1989 kosteten Disketten, die üblicherweise in 10er Boxen angeboten wurden, ungefähr 2,50 DM pro Stück. Großzügig gerundet wären das also 1.500 Euro für ein Gigabyte Speicher… Früher war nicht alles besser, glaubt mir…
Natürlich konnte man auch Disketten von Commodore kaufen. Leider habe ich in meiner Sammlung alter Zeitschriften keine Anzeige gefunden, die genau diese Marke angeboten hatte, aber ich schätze, für Commodore-Disketten musste man nochmal etwas tiefer in die Tasche greifen. Klar, dass ich mir auch welche besorgt habe – wahrscheinlich damals direkt im Karstadt, Kaufhof – oder in einem Shop64 in der Nähe.
Erinnerungen an die späten 1980er Jahre.
Vor einigen Jahren habe ich alle Disketten erfolgreich überspielt, und jede einzelne davon erzählt eine Geschichte, die in mir persönliche Erinnerungen an meine Teenager-Zeit hervorruft. Ich glaube, wer damals dabei war, der weiß, wovon ich spreche. Die Disketten wurden mehrfach überspielt, und auf den Etiketten ist meistens nur der, teilweise Jahre später, zuletzt aufgespielte Inhalt zu sehen. Aber auch der ist interessant genug.
TRSI – Wicked Sensation ist eigentlich aus dem Jahr 1992. Wie man leicht durch das Etikett durchschimmernd erkennen kann, befand sich dort früher der Inhalt der Diskette 2 des Spiels „Sword of Sodan“ (der Programmierer war unter dem Pseudonym „Sodan“ einer der Coder des legendären Tech Tech Demo). Sicherlich nur eine Sicherheitskopie…
Bislang „unbekanntes“ D.O.C Demo gefunden.
Auf einer Diskette stand zu lesen „Babarian Intro“ und „Katzendemo“. Letzteres war eine für heutige Maßstäbe simple Animation: Eine digitalisierte laufende Katze, die um die y-Achse rotiert wurde. 415 KB groß, also „eine halbe Diskette“, und sie sorgte damals für offene Münder. Dazu lief ein kurzes Sample von Depeche Modes „Strangelove“ in Dauerschleife – mehr war damals nicht nötig, um nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen. Die Animation kann man daher auch auf vielen YouTube-Kanälen finden.
Das „Babarian Intro“ ist eigentlich das „Barbarian Demo“ der legendären Demogruppe „D.O.C“ („Dr. Mabuse Orgasm Crackings“), die später mit dem ebenfalls legendären „Demons are forever“ Demo in die ewige Amiga Hall of Fame aufgenommen wurden. Ihr Hauptcoder mit dem Alias „Unknown“ hat sich zusätzlich auch für seine (nicht ganz so legale) Weiterentwicklung von Karsten Obarskis „Soundtracker“ verewigt und wenn ich mich recht erinnere, später auch im professionellen Bereich von Musiksoftware / Klangerzeugung Karriere gemacht.
Umso erstaunlicher, dass dieses Demo anscheinend bislang noch nicht in einer der populären Amiga-Datenbanken wie Pouët, Demozoo und Co auftaucht. Vielleicht muss ich doch noch einen Account anlegen, um das Demo hochzuladen. Es könnte ja gut sein, dass ich die letzte noch lauffähige Version besitze. Das Demo selbst ist ein typisches Produkt aus dem Jahr 1987 – veröffentlicht wurde es laut Scrolltext am 1. August 1987: Ein Bild, ein Scrolltext, digitalisierter Sound von Manowar und etwas Copperspielerei. Dank geht an die Crackman-Crew aus Nürnberg, die damals diese Diskette zusammengestellt hat! Übrigens: Im Scrolltext werden auch das „d.o.c digi demo 2“ und das „space demo“ als noch frühere D.O.C Produktionen erwähnt, die ebenfalls nicht auf Pouët zu finden sind. Hat jemand Informationen zu diesen Demos?
Eigenproduktionen und Unbekanntes.
Auf einer anderen Diskette befanden sich ebenfalls die wahrscheinlich letzten existierenden Versionen zweier Demos: Corrosion Teil 4 und Skullraider – das Demo mit dem längsten Scrolltext der Welt. Siehe die Links für ausführliche Besprechungen hier auf meiner Homepage.
Aber auch diese Diskette barg zuvor anderen interessanten Inhalt, der nun leider nur noch spekulativ nachvollzogen werden kann: Drei Grafiken von mir („Batman“ in 64 Farben, „Reality“-Logo und die „Grille“ in jeweils 32 Farben), die ich auf anderen Disketten als Kopien wiederfinden konnte und über die ich zum Beispiel hier auch schon schrieb – und 7 Demos bzw. Intros, bei denen nur Gruppenname zu lesen ist, aber nicht der Titel der Produktion. Und daher muss ich spekulieren, und selbst das ist nur lückenhaft möglich. Zu vermuten ist, dass der Inhalt ursprünglich aus dem Jahr 1988 stammt, spätestens Sommer 1989.
Das „Doc Demo“ ist sicherlich das bereits erwähnte „Demons are Forever“, aber schon bei „Thrust“ kann ich nicht sagen, ob es „Sunset Glow“ war (zeitlos schöner Track) oder das „Ottifanten“-Demo. Ich habe beide auf Diskette gehabt – aber welches hier drauf war… Hinter „Unit A“ und „Alpha Flight“ steckte sicherlich ein Cracktro der jeweiligen Gruppe, und bei den „Knight Hawks“ wahrscheinlich auch das Cracktro zu „Gettysburg“. Aber zu „Aces“ oder „Lightforces“ fehlt mir sowohl die Erinnerung, und auch in den typischen Datenbanken kann ich nichts finden, was in mir etwas regt.
Kann mir jemand helfen? Ich kann nicht einmal sagen, ob ich selbst diese Disk zusammengestellt hatte oder ob sie eine Compilation einer anderen Gruppe war.
