Wiedersehen mit der Waldbühne Homburg

Nach über 20 Jahren war ich wieder auf der Waldbühne Homburg – ach, wie sehr sie doch heruntergekommen ist! Wie schade.

Die Waldbühne Homburg – früher ein Platz zum Feiern, heute ein „Lost Place“

Und so heruntergekommen sieht die Tribüne 2021 aus

So heruntergekommen sieht die Tribüne 2021 aus

Wer heutzutage nach der Waldbühne Homburg sucht, der wird nur wenige Beiträge finden. Nur noch alteingesessene Ortskundige können mit dem Begriff etwas anfangen – was sehr schade ist, denn sie war einmal ein kulturelles Kleinod, über das sich viele Städte und Gemeinden freuen würden. Im Jahr 1958 wurde sie eröffnet, und schon wenige Jahrzehnte später ist sie völlig verfallen und überwuchert, wie man auf dem Bild links sehen kann: Die linke Seite der Zuschauertribüne ist kaum zu erkennen, kleine Tannen sind schon fast mannshoch in die Höhe gewachsen. Die rechte Seite scheint hin und wieder zumindest ein klein wenig gepflegt zu werden, auch wenn schon seit vielen Jahren keine offiziellen Veranstaltungen mehr stattfinden dürfen.

So sieht die Bühne im Jahr 2021 aus

So sieht die Bühne im Jahr 2021 aus

Auch sonst ist sie in einem schlechten Zustand: Die bis zur Bühne führenden Laternen sind teilweise durch Witterung oder Vandalismus zerstört, wie man in der Galerie sehen kann, und was noch an alten Holzgeländern zu erkennen ist, ist morsch und verwittert. Es wird nicht mehr lange dauern, bis das Gelände völlig überwuchert ist. (Zu finden bei Google Maps übrigens hier.) Man sieht es auch an der eigentlichen Bühne: Die linke Treppe scheint auch hier etwas gepflegt zu sein, aber alle restlichen Treppen sind so dicht mit Moos überwachsen, als ob Jahrzehnte ohne Pflege vergangen sind. Wahrscheinlich ist das auch so, wenngleich ich bisher nicht herausfinden konnte, seit wann die Waldbühne Homburg offiziell stillgelegt ist. Vielleicht kann mir ja jemand eine Nachricht hinterlassen.

Rückblick in den Sommer 1999: Vorbereitung für das Sommerfest auf der Waldbühne Homburg

1999: Die Seile werden gespannt

1999: Die Seile werden gespannt

Der Anlass für meinen Besuch waren schöne Erinnerungen: Im Sommer 1999 war ich dort zum letzten Mal. Danach zog ich weg, und anscheinend begann auch nicht viel später der Verfall. Doch damals war alles anders. Für das Sommerfest 1999 auf der Waldbühne Homburg sollte eine schöne, überdachte Bühne errichtet werden (sogar mit Boden). Daher wurde ein Ersuchen an das THW Homburg gerichtet, ob diese dabei unterstützen könnten. Damals war ich noch im OV Homburg, und somit fand ich mich am 25. Juni 1999, einem Freitag, um 16 Uhr im OV und etwas später auf der Waldbühne wieder. Die fast komplett aufgebaute Bühne kann man links sehen.

In meinen THW-Notizen von damals ist Folgendes zu lesen:

Die Homburger Waldbühne soll zur Festwiese umgebaut werden. Zu diesem Zwecke müssen

  • Eine Bühne inklusive Überdachung errichtet werden
  • Wasserversorgung und
  • Stromversorgung inklusiver Ausleuchtung gewährleistet sein
So sah ich Sommer 1999 aus

So sah ich Sommer 1999 aus

Situation:

Betrachtet man die Waldbühne von den Zuschauerrängen aus, so wird auf der linken Bühnenseite der Bierstand errichtet. Der nächste Hydrant ist an der Straße Richtung Rabenhorst (außerhalb des umzäunten Geländes). Auf dem Gelände verteilt werden 4 Strahler errichtet. Außerdem werden Bierstand und Kühlwagen mit Strom versorgt. Die Bühne wird komplett mit Hilfe von zwei Planen überdacht.

Und, besonders schön, aus den Notizen nach dem Abbau: „Nach dem Abbau fehlte ein Hering.“

Juni 1999 und Mai 2021 – ein virtuelles Wiedersehen!

1999 hinter der Kamera, 2021 Teil der Fotomontage

1999 hinter der Kamera, 2021 Teil der Fotomontage

Damals war ich nicht nur Helfer, sondern gleichzeitig auch verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit. Zum Glück hatte ich also auch meinen Fotoapparat dabei (den gleichen, den ich ein paar Monate später auch nach Japan mitnahm), mit dem ich knapp 20 Fotos aufnahm. Ja, kaum zu glauben heutzutage, aber es gibt wirklich nur zwei Dutzend Bilder von diesem Ereignis. Es war ein 36er Film, und gute 10 Bilder darauf sind von einer anderen THW-Veranstaltung. Das heißt, ich war damals auf fast keinen Bildern selbst zu sehen – und das holte ich dann bei meinem Besucht nach, indem ich mich zum Beispiel in das Gruppenbild von damals montierte, wie man links sehen kann.

2021 gibt 1999 kluge Ratschläge

2021 gibt 1999 kluge Ratschläge

Um die Deckenplane der Bühne zu befestigen, spannten wir Drahtseile quer von links nach rechts zwischen Bäumen. Um diese zu schonen, legten wir die Drahtseile über Holzklötze, die wiederum schon am Stamm angebracht waren. Diese Holzklötze sind übrigens noch immer an den Bäumen, aber nachdem über 20 Jahre vergangen sind, sind sie wohl etwas höher anzutreffen als damals. Hier sieht man, wie damals eines der Seile gespannt wurde – und dieses Mal stehe ich mit dabei und scheine einen besonders überflüssigen Kommentar an den arbeitenden Teil der Bevölkerung zu geben. Man beachte, dass damals die Treppe noch ordentlich gesäubert war, und heute unter dem Moos kaum zu erkennen ist.

Sonstige Eindrücke

2021 trifft 1999: Ganz schön hoch!

2021 trifft 1999: Ganz schön hoch!

Links neben der Bühne zogen wir das höchste Seil. Dieses war für den vorderen Teil der Bühnenplane gedacht, damit nach hinten ein Gefälle entstand. Falls es geregnet hätte, wäre das Wasser so nach hinten abgeflossen. Wie hoch das Seil war, sieht man hier. Und ich stehe beeindruckt im Jahr 2021 daneben, voller Respekt für die mutigen Kameraden, die die Leiter erklommen. Auch die Holzklötze an diesem Baum sind noch zu finden. Ich wette, so mancher Besucher der Waldbühne Homburg der letzten 20 Jahre wird sich gefragt haben, warum an vier Bäumen neben der Bühne solche Holzklötze an den Stämmen angeschlagen zu finden sind. Irgendwie hat es mich gerührt, sie wiederzusehen. Ein kleines Geheimnis, dessen Bedeutung nur wenigen Menschen bekannt ist. A propos Geheimnis – die Waldbühne mag heruntergekommen sein, aber sie ist nicht vergessen: Während wir dort waren, kamen weitere Spaziergänger vorbei oder verweilten kurz auf der Tribüne.

Die Besuchertreppe zur Waldbühne Homburg

Die Besuchertreppe zur Waldbühne Homburg

Auch ich setzte mich, vielleicht ein letztes Mal für die nächsten 20 Jahre, auf die Stufen und versetzte mich gedanklich zurück in den Sommer 1999: Wie wir dort alle gut gelaunt und bei schönem Wetter ein paar Stunden arbeiteten, um einen Tag später auch das Fest zu genießen. Wie die Besucher über die links zu sehende Treppe am oberen Ende der Tribüne ankamen – nun stark verwildert. Die Erinnerungen sind noch da; es sind schöne Erinnerungen an einen schönen Ort!

In der Galerie sind noch mehr Bilder von 1999 und 2021 zu finden. Ich würde mir sehr wünschen, dass dieses Kleinod im Wald wieder bespielt werden würde, denn das hätte die Waldbühne Homburg verdient!

Oliver Kilb

Schön, dass ihr vorbeischaut! Viel Spaß auf meiner kleinen Homepage.

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2 Antworten

  1. Günter Zwerger sagt:

    Lieber Oliver Kilb, ich habe mit großem Interesse Ihre Ausführungen zur Waldbühne Homburg gelesen. Meine Kenntnisse reichen zurück bis ins Jahr 1964. In diesen Jahren wurden am Rabenhorst Karl-May Aufführungen gezeigt. Bei der ersten Aufführung, „Wildwest am Rabenhorst“ war ich Darsteller im Alter von 13 Jahren. Die Stelle in der Mitte zwischen den Zuschauerrängen war etwas tiefer gelegt und hatte einen Bretterboden und war teilweise überdacht. Dort befand sich die Regie und die Technik. Im Gegensatz zu den Karl-May Festspielen in Bad Segeberg, gab es hier schon eine drahtlose Audioübertragung der Darsteller! Auch Pferde waren im Einsatz und ein Waffenmeister. Links von der Bühne gab es im Wald mehrere Hütten für Kulissen und ein kleines Wochenendhaus vom damaligen Förster Adams, der auch die Einrichtung pflegte und überwachte. Ich habe auch noch eine Postkarte mit allen Darstellern und eine Gesamtansicht der Bühne zur damaligen Zeit. Das Foto wurde auf der rechten Treppe aufgenommen, wenn man vom Zuschauerraum zur Bühne schaut. Aber hier kann ich es ja leider nicht einstellen. Der traurige Zustand der Bühne hat mich schon überrascht, es gäbe sicher viele Gemeinden die froh über eine Freilichtbühne wären. Theater, Konzerte und Ähnliches wäre doch sicher ein Beitrag zur Kultur einer Stadt. Aber das hier sieht sehr traurig aus. Schade! LG Günter Zwerger.

    • Oliver Kilb sagt:

      Lieber Günter Zwerger,

      vielen Dank für Ihre schönen Erinnerungen. An die Hütten kann ich mich auch noch erinnern – zumindest 1999 war soweit ich mich erinnern kann noch die Hütte des Försters in gutem Zustand, wenngleich schon mit deutlichen Spuren des Alters. Wann ich zum ersten Mal als Zuschauer an der Waldbühne war, kann ich leider nicht sagen. Ich meine mich dunkel daran erinnern zu können, dass wir Ende der 1980er Jahre mal mit der Schule dort waren.

      Alles Gute,
      Oliver Kilb

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