Interview mit Factor 5, Oktober 1992

Ein letztes Mal habe ich mit Factor 5 auf der Ami Expo ’92 gesprochen – Inhalt waren unter Anderem die Konsolenumsetzungen von Turrican. Geplant war eine Veröffentlichung in McDisk #6.

Nach über 25 Jahren wieder entdeckt
Inhaltsverzeichnis der Disk (mit Grafiken unseres Eishockey-Spiels)

Inhaltsverzeichnis der Disk (mit Grafiken unseres Eishockey-Spiels)

In einem früheren Beitrag habe ich schon ausführlich geschrieben, wie ich dieses Interview neu wiederentdeckt habe. In Kürze: Als ich Anfang 2019 alte Amiga-Disketten auf den PC überspielte, waren darunter auch viele Dateien, die ich längst vergessen hatte. Zum Beispiel auf einer Diskette, deren Beschriftung gar nicht darauf hindeutete, dass hier alte Interviews schlummern. Gedacht war das folgende Interview zur Veröffentlichung im Diskettenmagazin McDisk #6, das allerdings niemals erschien. Um den Jahreswechsel 1992/1993 fand auch mein Rückzug aus der Amiga-„Szene“ statt, weil ich mich einerseits etwas mehr auf mein Studium konzentrieren wollte, aber auch weil wir anfingen, unser Eishockey-Spiel zu entwickeln. Deswegen habe ich wohl nicht weiter versucht, die Interviews an anderer Stelle unterzubringen – und sie gerieten in Vergessenheit. Erst recht, weil ich dann im Spätsommer 1995 auf den PC umgestiegen bin und ziemlich schnell den Amiga beiseite gelegt habe.

Interview mit Factor 5
Interview mit Factor 5 auf der Ami Expo '92 (1)

Interview mit Factor 5 auf der Ami Expo ’92 (1)

Im Begleitschreiben an das McDisk Redaktionsteam fand ich die Info, dass mein Gesprächspartner Thomas Engel war. Die originale Diktierkassette bzw. Abschrift ist wohl nicht mehr existent, daher gehen sämtliche etwaigen Fehler auf meine Kappe – hier ist das Interview von Oktober 1992, geführt auf der Ami Expo ’92 in Köln. (MD=McDisk, F5=Factor 5/ Thomas Engel)

Interview with Factor 5, written down at the AmiExpo ’92 in Cologne.

MD: Of how many levels will Turrican III (T3) consist?

F5: T3 will have about five levels, and the last one will be one big opponent. We finished already three levels, and the graphics is nearly done.

MD: How big will be the module?

F5: On the Genesis (Mega Drive), it will have 8 MBit, on the Super Famicom, there are only 4 MBit, so this is the reason why it is not so powerful as the Genesis-version.

MD: And the sound? Who will do the sound?

F5: The whole sound will be done by Chris Huelsbeck, and Chris will use all possibilities of these machines.

Interview mit Factor 5 auf der Ami Expo '92 (2)

Interview mit Factor 5 auf der Ami Expo ’92 (2)

MD: I recently read in a software-mag, that on the Genesis, you are able to „rotate“ platforms – what does that mean??

F5: We are able to rotate platforms around one fixed point, so that they circle around that point. We use the same technique by rotating single enemies (ed.:I saw a big snake or something like that winding through the screen and rotating and it just looked great!)

MD: Back to your development system: What would I get if I’d buy one?

F5: You would get all you need… The only things that lack are: a PC (as fast as possible) and the confidential Hardware Reference Manual.

MD: How do I get such a Manual?

F5: By Sega or Nintendo themselves or the ones you program the games for.

MD: How expensive is your system? What would I have to pay for it?

F5: 7500 ,- DM

MD: What do you think: How many modules will you sell?

F5: Our T3 is rated with 90%, and that means: If it reaches a high chartposition, we should sell some hundredthousands.

Interview mit Factor 5 auf der Ami Expo '92 (3)

Interview mit Factor 5 auf der Ami Expo ’92 (3)

MD: What do you earn of this game? Or would you rather not talk about that?

F5: Let me say it in that way: It is enough to live, and too less to buy a house…

MD: Do you expect yourself programming games on consoles for your whole life?

F5: It would be nice, if Factor 5 would get established, but I also hope, that when we reach a higher age, we will have some young ones to do our job. At the moment it looks quite positive.

MD: What about the CPU of the Super Famicom? They all complain, that it is too slow…

F5: Well, Holger , the coder of the Famicom-version, is an excellent coder: 40-50 Sprites inclusive the game… But you are right: The Famicom-CPU is much worse than the one of the Genesis. On the Genesis, I’m able to zoom in realtime!

Interview mit Factor 5 auf der Ami Expo '92 (4)

Interview mit Factor 5 auf der Ami Expo ’92 (4)

MD: Your plans for the Amiga? Will there be a conversion of T3 on the Amiga?

F5: Look at B.C. Kid… Fact is: The number of sold games for the consoles beat the ones for the Amiga by factor 10 to 20!

MD: And what about new computers e.g. the Falcon 030 or the new Amigas?

F5: People who like hi-tech simulations will play on the PC, people who like arcade-action will choose a console.

MD: Don’t you think, that the consoles will die again as they did at the beginning of the 80’s?

F5: Not if the old mistakes will not be done. I think, at that time it was too early for consoles. Another thing to mention is, that the quality of the games is much better than 10 years ago. Also look at the fact, that the Super Famicom was sold about 30 millon times.

MD: When will Super Turrican and Turrican III be available?

F5: About spring.

MD: Thanks a lot!

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Rückblickende Bewertung
Crosscheck Boxshot

Crosscheck Boxshot – für ein Amiga-Spiel viel zu spät erschienen

Rückblickend – wir haben nun Mitte Mai 2020 – finde ich folgende Dinge bemerkenswert: Die kaum versteckten Aussagen zur katastrophalen wirtschaftlichen Situation auf dem Amiga, was die Erfolgsaussichten von Spielen angeht („Faktor 10-20 über denen des Amigas“) und dass die neuen Amigas und Ataris für gestandene Entwickler gar keine Rolle spielen („Simulationen auf dem PC, Actionspiele auf Konsolen“). Als Amiga-Fan wollte man es damals einfach nicht hören oder wahrhaben. Dazu zähle ich auch mich selbst, denn sonst hätten wir nie versucht, im Jahr 1993 ein Amiga-Spiel (siehe Bild links) neu zu entwickeln – ohne ein bekanntes Franchise im Rücken, ohne die grafische, musikalische und technische Wucht und Bekanntheit, wie sie zum Beispiel Factor 5 hatten (und die dennoch den Amiga mieden). Andererseits war es mir doch irgendwie bewusst, wie ich in meinem Rückblick auf die Amiga-Messen in Köln geschrieben habe. Ich glaube, es war da auch viel Hoffnung im Spiel, dass wir bei einem Erfolg den nächsten Schritt Richtung PC und Konsole hätten gehen könnten.

Ebenfalls bemerkenswert finde ich die Aussage, dass die Konsolen seiner Meinung nach nicht mehr verschwinden werden. Das stimmte nicht nur, sondern im Gegenteil – AAA-Spiele sind (Stand Mitte Mai 2020) in punkto Umsatz, Entwicklungszeit und Budget mit Hollywood-Produktionen vergleichbar.

Weitere Interviews

Für McDisk habe ich noch weitere Interviews beigesteuert:

Oliver Kilb

Oliver Kilb

Schön, dass ihr vorbeischaut! Viel Spaß auf meiner kleinen Homepage.

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