1999-2019: 20 Jahre Japan-Stipendium

Wie die Zeit vergeht! Am 17. September 1999 begann mein Auslandsaufenthalt in Japan – Zeit für einen kleinen, sentimentalen Rückblick.

17.9.99, 17:00 Uhr – Frankfurt/ Main Flughafen
Japan, ich komme!

Japan, ich komme!

Gate B48. In einer guten anderthalben Stunde beginnt mein 9-monatiges Leben in Japan. Zur Zeit warte ich darauf, dass wir das Flugzeug betreten dürfen. Der Flieger der All Nippon Airways (ANA, 全日空) steht direkt vor meinem Fenster, und ich habe auch schon brav ein Photo gemacht. […] Was mich betrifft: Ich bin überrascht, wie erstaunlich ruhig ich bin: Kein Herzklopfen, kein nervöses Auf- und Abgehen usw. Stattdessen sitze ich jetzt hier und schreibe. Vielleicht kann mir noch jemand einen Tipp geben, wie ich von Kansai nach Itami wechsele, denn die Zeit ist recht knapp und mein Flug hat bereits jetzt 30min Verspätung.

Zumindest jetzt habe ich mir vorgenommen, regelmäßig meine Erlebnisse und Erfahrungen niederzuschreiben. Wahrscheinlich wird es im Laufe der Zeit immer spärlicher, aber würde ich voll und ganz als gutes Zeichen sehen.

Das Abenteuer beginnt

So beginnen die ersten Zeilen meines Reisetagebuchs, das ich damals begonnen hatte. 20 Jahre! Wie unglaublich lange ist das schon her, und dennoch fühlt sich manche Erinnerung noch so an, als wären erst wenige Tage vergangen. Mehr denn je bin ich aber glücklich, dass ich damals so konsequent besagtes Reisetagebuch durchgängig mit interessanten Anekdoten und Impressionen versorgt habe. Zusätzlich habe ich damals auch noch ein Blog geführt (ohne zu wissen, dass man es so nennt): Auf geocities lag es damals, und zum Glück konnte ich es rechtzeitig vor dem Ende dieses Dienstes alle Inhalte retten. Schon damals setzte ich vernünftigerweise darauf, meine Daten selbst zu speichern und nicht in irgend eine „Cloud“ zu legen.

20.9.99, so gegen 19:30 (Montag)
Mein Zimmer in Kumamoto beim Einzug (Blick in Richtung Haustür).

Mein Zimmer in Kumamoto beim Einzug (Blick in Richtung Haustür).

Endlich daheim! Jedenfalls für die nächsten 9 Monate. Heute habe ich mein Appartement bezogen, das Bett wurde geliefert und ich meinem weiteren Schicksal überlassen. Mein Counselor, Mr. Matsuyama, wird mich von jetzt an nur noch sporadisch besuchen.

Und so begann mein normales Leben in Kumamoto, denn die ersten Tage wurde ich von meinem Betreuer – auf dessen Kosten – im Kotsu Center Hotel untergebracht, damit ich mich, wie er es sagte, nicht ganz so plötzlich komplett alleine versorgen müsste. Das Hotel gibt es nicht mehr, zumindest nicht in dieser Form: Bei unserem letzten Besuch in Kumamoto war der gesamte Platz eine riesige Baustelle, und die Gebäude aus dieser Zeit waren weg. Aber dank der Karte, die ich aufgehoben habe, kann ich noch heute sagen, dass ich im Zimmer 508 untergebracht war.

Mein Zimmer war klein, winzig: Keine 20 Quadratmeter (inkl. Badezimmer) standen mir zur Verfügung, aber es war mein eigener Bereich, meine eigene Privatsphäre. Und was brauchte ich auch mehr? Ich durfte 9 Monate in einem der faszinierendsten Länder dieser Erde leben, und das sogar noch inklusive einem üppigen Taschengeld! Und das nur, weil ich irgendwann mal (im Wintersemester 1997/98) angefangen hatte, Japanisch zu lernen. Zurück zu meinem Zimmer: Ja, es war klein. Aber ein Bett passte hinein, ein Schreibtisch, Waschmaschine und eine kleine Küchenzeile. Sogar ein winziger Balkon stand mir zur Verfügung – und das kleine Bad hatte sogar eine Badewanne!

Donnerstag, 23.9.99, 22:40
Kumamoto nach dem Sturm, September 1999.

Kumamoto nach dem Sturm, September 1999.

Kurze Bestandsaufnahme von gestern, Mittwoch den 22.9.: Essen mit Herrn Matsuyama. Bei „Aoyaki“, einem hervorragenden Laden. Er hat „Kamameishi“ bestellt. Sehr lecker Restaurant war typisch ja. Stil: Schuhe ausziehen, eigenes Zimmer für jeden Tisch, und niedrige Tische. Wenn es mir erlaubt ist: So wie bei E3L1 von Duke Nukem 3D.

Ich sehe gerade: Über das Erdbeben in Taiwan habe ich nichts geschrieben. Es war nämlich so stark (7,4 – 7,6), dass hier zunächst Tsunami-Alarm gegeben wurde. Dieser wurde dann aber wieder aufgehoben. Dennoch komme ich heute Nacht oder morgen früh wohl in den Genuss eines Naturschauspiels: Mein erster Taifun. Er soll gegen 9 Uhr hier ankommen. Die ersten Ausläufer sind schon da: Ausdauernder Regen und es wird etwas kühler.

Das Abenteuer geht weiter!

So begannen meine ersten Tage am anderen Ende der Welt. Ich bin noch immer glücklich und dankbar, dass mir diese Chance gegeben wurde – und dass ich den Mut hatte, diese Chance zu ergreifen. Bedenkt: Zu dieser Zeit war die Welt noch komplett anders. Internet (und Amazon & Google) gab es zwar schon länger, OK, aber es war längst nicht so selbstverständlich wie heute. „Smartphones“ gab es noch nicht, und Mobiltelefone waren gerade erst an der Schwelle zum Massenartikel. Das heißt auch, dass man nicht einfach so mit ein paar Klicks die Antworten auf alle möglichen Fragen bekommen konnte. Auch die Fotografie war komplett anders: Die bezahlbare Digitalfotografie in nennenswerter Qualität lag noch gute 5 Jahre entfernt, und somit fotografierte ich ausschließlich analog. Das bedeutete zwar wesentlich weniger Bilder, aber dafür verhältnismäßig wenig Ausschuss.

Ich werde versuchen, in den nächsten 9 Monaten einige wichtige „Heute-vor-20-Jahren“ Momente aufzugreifen.

Oliver Kilb

Oliver Kilb

Schön, dass ihr vorbeischaut! Viel Spaß auf meiner kleinen Homepage.

Das könnte Dich auch interessieren …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.