Diskettenlocher: Absurdes Computerzubehör der 1980er Jahre.

Mitte der 1980er Jahre gab es ein besonders skurriles, aber nützliches Computer-Zubehör: Den Diskettenlocher – kein Scherz!

1986: Die Zeit der 5,25 Zoll Disketten
Die 64'er Juni 1986

Die 64’er Juni 1986
Das Magazin für Computer-Fans

Mitte der 1980er Jahre war die 5,25″ Diskette das übliche externe Speichermedium. Im Vergleich mit heutzutage (2016) gewohnten Speichermengen, die auf eine CD, DVD oder Blu-Ray passen, war die Kapazität von damals geradezu lächerlich: 160 KB (Kilobyte!) passten auf eine Diskette, und die kostete durchaus bis zu 5 DM pro Stück (wobei sich die Preise gerade zu dieser Zeit schnell nach unten bewegten). Mitte 2016 entspräche das ca. einem Preis von 4,50 EUR. Und für 4,50 EUR bekomme ich heutzutage einen USB-Stick mit 16 GB Speicher – das ist das 100.000-fache, zum gleichen Preis!

Klar, dass man schon damals versucht hatte, so viel Speicher wie möglich zu bekommen, ohne mehr Geld als notwendig auszugeben. Aber wie hilft einem da ein Diskettenlocher?

Der Diskettenlocher: Übliches Zubehör der frühen 1980er Jahre
Ein Diskettenlocher

Ein Diskettenlocher

Als ich oben geschrieben habe, dass auf eine typische 5,25 Zoll Diskette damals nur 160 KB gespeichert werden konnten, war das nicht die komplette Wahrheit. Tatsächlich war es so, dass auf jede Seite der Diskette 160 KB gespeichert werden konnten.

Nur: Man konnte die Disketten damals nicht einfach so umdrehen, wie z.B. eine Schallplatte. Denn offiziell waren zumindest die günstigen Disketten nur „einseitig bespielbar“. Aus produktionstechnischen Gründen waren aber auch diese „einseitigen“ Disketten auf beiden Seiten beschreibbar. Damit das Diskettenlaufwerk damals erkannt hat, dass eine beschreibbare Seite einer Diskette eingelegt wurde, suchte es nach einer Aussparung am Rand. War diese vorhanden, konnte man auf diese Seite schreiben.

Was kostete ein Diskettenlocher?
Diskettenlocher: Preis

Diskettenlocher: Preis

Damit war der Zweck eines Diskettenlochers klar: Mit seiner Hilfe konnte man auf der anderen Seite der Diskette eine genau passende und gleich große Aussparung hinausstanzen. Die Diskette konnte somit auf beiden Seiten beschrieben werden. Damit „verdoppelte“ man die Speicherkapazität. Für einige (wenige) Jahre war der Diskettenlocher ein ganz normales Computerzubehör, und es gab viele unterschiedliche Modelle. Hier zu sehen ist eine Anzeige, in der ein Diskettenlocher in „Normalausführung“ und als edle „Glanzmetallausführung“ zu bestellen war.

Diskettenlocher: Preis

Diskettenlocher: Preis

Üblicherweise bewegten sich die Preise um 10 DM. Wie man in einer der Anzeigen oben sehen kann, kostete ein 10er Pack beidseitig beschreibbarer Disketten etwa 4-5 DM mehr als einseitig beschreibbare. Also hatte man den Kaufpreis eines Diskettenlochers schon nach etwa 20 Disketten wieder eingespart gehabt. Und damals waren 20 Disketten nicht gerade viel, die Anschaffung lohnte sich also wirklich. Auch, wenn alleine die Idee heutzutage absurd erscheint. („Diskettenlocher? Damit ich die Disketten abheften kann?“)

Diskettenlocher: Preis

Diskettenlocher: Preis

Wer die Abkürzung „SSDD“ nicht mehr kennen sollte – das war die damals jedem geläufige Abkürzung für „Single Sided Double Density“, den üblichen Disketten für C64 User.

Und, wie man schön sehen kann: Auch 1986 war die Computerwelt bereits moderner, als so mancher glauben mochte. Selbst der alte C64 konnte schon – die richtigen Programme vorausgesetzt – mit einer Maus arbeiten. Und „Akustikkoppler“ waren die Router der damaligen Zeit, die Datenverbindung in die weite Welt. Die Zahl „300“ gibt die Geschwindigkeit an – in Bytes pro Sekunde (vereinfacht gesagt). Auch hier ein Vergleich: Im Jahr 2016 können Smartphones über LTE (4G) über 100 MBit/s empfangen. Das ist mehr als das 40.000fache eines damaligen 300 Baud Akustikkopplers…

Quellennachweis Bilder:
64er Magazin 06/1986 (verschiedene Seiten)

Oliver Kilb

Schön, dass ihr vorbeischaut! Viel Spaß auf meiner kleinen Homepage.

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Eine Antwort

  1. 20. Oktober 2017

    […] 5.25″-Disketten kosteten 50 DM. Dafür gingen immerhin 180 KByte drauf, boah ey! Und wenn man mit dem Locher geschickt umgehen konnte, dann konnte man diese Speicherkapazität sogar […]

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