Free Audio Converter: Wieder Freeware mit zusätzlicher Software im Huckepack!

Ich hatte bereits hier einmal über diese nervige, und manchmal sogar gefährliche Unsitte gesprochen: Freeware, deren Download „gratis“ ist, und die bei der Installation noch zig andere, oft unnötige Software zusätzlich installiert, wenn man nicht aufpasst.

Installation mit Huckepack-Software!

Der Installationsprozess ist immer so gestaltet, dass der „empfohlene“ Weg, manchmal auch als „Express-Installation“ verkauft, ohne weitere Fragen quasi beliebige andere Software nachlädt und installiert. Manchmal ist diese Software, die durch die Hintertür auf den Rechner kommt, nur unnötig, aber manchmal kann sie auch wirklich gefährlich sein. Es lohnt sich also immer, genau hinzusehen.

Free Audio Converter auf Platz 1 bei Google.

Free Audio Converter auf Platz 1 bei Google.

Kürzlich habe ich wieder ein besonders dreistes Exemplar dieser Sorte Software erlebt: Ich suchte ein Tool, mit dem ich MP3 zu M4R umwandeln konnte, um iPhone Klingeltöne zu erstellen. Per Google wurde mir schnell die Software „Free Audio Converter“ empfohlen, eine Freeware mit guten Bewertungen. Man kann über die BILD Zeitung sagen, was man will, aber dennoch gehört sie im Bereich der Downloads zu den vertrauenswürdigen Quellen. Also hab ich das Paket heruntergeladen.

Free Audio Converter Installationspaket

Free Audio Converter Installationspaket

Nach dem schnellen Download ist ein Paket mit ca. 3,5 MB auf dem Rechner. Die Größe ist einigermaßen plausibel für das, was die Software später machen soll. Der Virenscanner findet nichts Besonderes. Also auf geht’s, Doppelklick!

Start der Installation – erste Überraschung
Free Audio Converter Lizenz

Free Audio Converter Lizenz

In der dann angezeigten Lizenzvereinbarung sollte man schon hellhörig werden. Der erste Punkt ist, dass der Lizenztext nicht auf Deutsch vorliegt, obwohl man im Klick zuvor eindeutig „Deutsch“ als Installationssprache wählen durfte. Naja, es steht also verklausuliert dort, dass man Software von Dritten ebenfalls installieren würde – allerdings nur nach ausdrücklicher Zustimmung. Und außerdem würde diese zusätzliche Software eh nochmals ihre eigene Lizenz mitbringen, der man zustimmen müsste… Bäh!

Free Audio Converter Installation Schritt 1.

Free Audio Converter Installation Schritt 1.

Ja, und dann geht der normale Wahnsinn los, siehe den Screenshot hier: Man will den „Free Audio Converter“ installieren, aber auf einmal ist die Sprache von „TuneUp Utilities installieren“? Wer hier nicht aufpasst, und direkt auf „Express (empfohlen)“ klickt, der fängt sich in diesem und den nächsten Schritten jede Menge zusätzlicher Software ein, die er wahrscheinlich eh nicht braucht, und die ebenso wahrscheinlich nochmal zusätzliche Huckepack-Software mitbringt.

Free Audio Converter Installation Schritt 2.

Free Audio Converter Installation Schritt 2.

Nicht nur ist die – sinnvollere!!! – Alternative im dezenten, leicht übersehbaren Grau geschrieben, sondern suggeriert durch die Klammer „(fortschrittliche Benutzer)“ auch, dass dieser Weg schwieriger ist. Die angenommene Zielgruppe dieser Freeware dürfte überwiegend schnell installieren wollen ohne groß nachzudenken – und holt sich einiges an unnötiger Software mit dazu. Die „TuneUp Utilities“ werden natürlich direkt abgewählt. (Wenig verwunderlich, aber dennoch frech genug, dass die Checkbox per Standard schon gesetzt wurde.)

Und noch mehr Software, die man nicht wollte
Free Audio Converter Installation Schritt 4.

Free Audio Converter Installation Schritt 4.

Und weiter geht’s – als nächstes wird mir Skype aufgedrängt. Natürlich möchte ich das nicht, und nachdem ich auch hier wieder mit „Ich akzeptiere nicht“ die Installation abgewendet habe, fahre ich fort. Natürlich hätte ich hier und im Schritt zuvor bei den „TuneUp Utilities“ bequem mit einem Klick ohne weitere Nachfrage die jeweiligen Lizenzbestimmungen akzeptiert – das kann böse enden! Ich finde es übrigens interessant, dass mir (zufällig???) nur Software vorgeschlagen wird, die noch nicht auf meinem Rechner installiert ist. Vielleicht muss ich mal den Gegentest machen.

Free Audio Converter Installation Schritt 5.

Free Audio Converter Installation Schritt 5.

Aber der Spaß hört einfach nicht auf! Jetzt soll ich auch noch den „Opera“ Browser installieren, um „schneller, sicherer, einfacher und mit mehr Spaß durch das Internet zu browsen.“ Na, ich weiß nicht. Wie soll der Browser bestimmen, ob ich mehr Spaß habe oder nicht… Also wähle ich auch die dritte (!!!) ungewollte Software ab, und noch immer hat die Installation der Software, die ich ursprünglich wollte, nicht begonnen. Erstaunlich, was aus diesem kleinen 3,5 MB Download-Paket bis zu diesem Zeitpunkt schon geworden ist, oder?

Der eigentliche Installationsprozess startet
Free Audio Converter Installation Schritt 8.

Free Audio Converter Installation Schritt 8.

Aber jetzt soll es endlich losgehen! Bedenklich ist allerdings auch hier, dass der einzige aus Datenschutz-Sicht wichtige Eintrag „Allow DVDVideoSoft to collect anonymous usage statistics“ nicht auf Deutsch, sondern auf Englisch vorliegt. Natürlich möchte ich nicht, dass DVDVideoSoft „anonyme Nutzungsstatistiken“ von mir erhalten darf! Also wähle ich diesen Punkt natürlich ab. Wohlgemerkt – ob sich die Software daran hält, weiß man letzten Endes nicht, aber ein wenig Vertrauen muss man ja haben.

Free Audio Converter Installation Schritt 9.

Free Audio Converter Installation Schritt 9.

Und wie man sieht, wird erst jetzt auch das komplette Download-Paket heruntergeladen. Der Initial-Download von 3,5 MB war ausschließlich dazu da, mir möglichst viele optionale Software unterzujubeln. Also, zum Glück bekomme ich es bestätigt: Nur eine Datei wird heruntergeladen, nämlich der „Free Audio Converter“. 30 MB sind es immer noch, aus denen das Paket besteht. Wenn ich die auch noch die „TuneUp Utilities“, den Opera-Browser und Skype ebenfalls mit installiert hätte, wäre ich wohl bei über 100 MB gelandet.

Free Audio Converter Installation Ende.

Free Audio Converter Installation Ende.

Aber als ob das noch nicht genug wäre… nach dem Abschluss der Installation wird mir zwangsweise noch die Webseite „World of Magic Petals“ geöffnet, wo ich ein zuckersüßes Free-to-Play Angebot annehmen soll. Nein, danke! Anscheinend wird es immer schwieriger, mit Software Geld zu verdienen. Es ist wohl einfacher, Software umsonst anzubieten und über Verträge mit Drittanbietern pro untergejubelter Installation ein paar Cent einzunehmen. So weit sind wir mittlerweile dank „Geiz ist Geil!“ Mentalität und „Eine App kostet 79 Cent“ Einstellung…

Die De-Installation ist nicht ganz so einfach
Free Audio Converter De-Installation.

Free Audio Converter De-Installation.

Nachdem ich meinen Klingelton erstellt hatte, wollte ich das Tool natürlich sofort wieder deinstallieren. Leider klappte es nicht so gut, wie zu Beginn des Installationsprozesses versprochen. Zum Glück arbeite ich mittlerweile nur noch in einer virtuellen Maschine, daher kann ich mir ziemlich sicher sein, dass ich mir keine Schadsoftware hole, bzw. ich kann einfach einen früheren Stand der VM neu einspielen.

Fazit ist: Bei Freeware muss man mittlerweile ganz genau aufpassen, was noch mitkommt. Am besten immer vor einer Installation einen Wiederherstellungspunkt setzen. Man weiß nicht, wofür man ihr noch benötigen könnte.

In der Galerie unten sieht man alle Schritte der Installation. Wenn man die Installation neu startet, wird die im Huckepack zusätzlich angebotene Software übrigens neu ausgewürfelt…

Oliver Kilb

Schön, dass ihr vorbeischaut! Viel Spaß auf meiner kleinen Homepage.

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2 Antworten

  1. Bachsau sagt:

    Soviel zum Thema vertrauenswürdige Quelle…

    • Oliver Kilb sagt:

      … jupp. Unterm Strich muss man immer – bei allen Installationen von Freeware jeder Art – die Augen offen halten. Und den Virenscanner aktuell halten…

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