Eternal – Sanitys Interference-Demo in einem frühen Stadium

Jeder Amiga-User der frühen 1990er Jahre kennt das Interference-Demo von Sanity. Aber nur eine Handvoll Menschen wussten bislang, dass das Demo beinahe unter einem anderen Namen und von einer ganz anderen Gruppe veröffentlicht worden wäre, wie ein früher Prototyp zeigt.

Sanitys Interference – War alles ganz anders?
Coma - Eternal.exe, gestartet von der Workbench 1.3 eines Amiga 500 - so, wie im Jahr 1991

Coma – Eternal.exe, gestartet von der Workbench 1.3 eines Amiga 500 – so, wie im Jahr 1991

Schon vor vielen Jahren, als ich meinen ersten Schwung Amiga-Disketten auf den PC übertrug, fand ich auf einer Diskette mit Logos und Grafiken eine Datei, die mir damals bereits ein sentimentales Lächeln ins Gesicht trieb: „Eternal-Preview.exe“… ein ganz unscheinbarer Name, die Datei gerade einmal 140 KB groß, doch wusste ich sofort, was es war! Das war der Name, unter dem wir damals unser nächstes Amiga-Demo veröffentlichen wollten.

Wir, das war die Truppe der Amiga-Crew mit dem früheren Namen „Visdom“, die kurz zuvor einer Gruppe namens „Coma“ beigetreten waren. Coma war vor allem bekannt für ihr Diskettenmagazin „Mc Disk“, für das ich viele Interviews beisteuerte, zum Beispiel mit Factor 5, Boris Schneider und anderen (folgen irgendwann, habe ich bei weiteren Kopierorgien gefunden). Doch dann, kurz vor dem geplanten Release, passierten einige Dinge, mit denen die meisten von uns nicht gerechnet hatten. (Die HuffPost hätte es natürlich noch dramatischer beschrien…)

Wege trennen sich
Coma - Eternal Visdom Logo

Coma – Eternal Visdom Logo

Im Herbst/ Winter 1991 hatte Cosmos (Marc) bereits die meisten seiner für das Demo geplanten Module fertig, und er compilierte sie zusammen mit einem Logo von mir in eine .exe, damit wir sie uns ansehen konnten. Da wir noch keine Musik hatten (irgendwie war das bei uns nie so ganz einfach), hatte er Jesters Soundtrack von Sanitys „Elysium“ eingebaut – dies nur als Ankündigung, damit man nicht ganz so überrascht ist, wenn man unten das Video startet. Er war noch lange nicht fertig mit dem Demo-Design, und so entschuldigt er sich im Scrolltext auch dafür, dass man noch ein „Visdom“-Vektorlogo im Demo sieht (als „VSM“ abgekürzt).

Mc Disk #3: Cosmos, Zap und Microforce verlassen Coma

Mc Disk #3: Cosmos, Zap und Microforce verlassen Coma

Aber dann passierte es: Im Editorial von Mc Disk #3 wird mit Datum vom 10. Januar 1992 (15 Uhr!) bekanntgegeben, dass an diesem Tag die 3 Coma-Coder Cosmos (Marc), Microforce (Jörg) und Zap (Gerd) zu Sanity gewechselt sind, und der Musiker Virgill (Jochen) zu TRSI. Das war natürlich das Ende des Demos unter der Flagge von Coma! Kurze Zeit später ging Coma in Alcatraz auf, und ich ging zurück zu den Kumpels in der „alten“ Nachbarschaft, schrieb aber weiterhin für Mc Disk bis zur Einstellung des Magazins. Ich fand es damals allerdings auch etwas schade, denn damit endete auch eine Zeit, in der unsere Clique aus Saar-Pfälzern (im glorreichen Dreieck Homburg/Saar – Kirkel – Neunkirchen) so manch coole Party veranstaltete (niemals ohne mindestens zwei Amigas im Raum – those were the days!), und viele verloren sich (bis heute) aus den Augen. Mindestens einer von uns, nämlich der Gastgeber unserer Neunkirchener Partys, Dirk, weilt sogar schon seit fast 10 Jahren nicht mehr unter uns – er musste leider viel zu früh gehen…

Neue Lebensabschnitte lösen alte Hobbies ab
Coma - Eternal Vectors

Coma – Eternal Vectors

Als ob das nicht genug gewesen wäre, traf Cosmos eine weitere, für das Demo folgenschwere Entscheidung: Nachdem wir zusammen unser Informatik-Studium begonnen hatten, teilte er mir im Frühjahr 1992 (oder schon etwas früher kurz vor Ende des ersten Semester) mit, dass er sich umentschieden habe und nun etwas ganz Anderes machen würde. (Ich werde nicht sagen, was, aber er hat dann einen in unserer Gesellschaft sehr respektierten Beruf erlernt, der wirklich gar nichts mit Programmierung zu tun hat.) Und damit kehrte er der Amiga-Szene den Rücken, was für die Demoszene garantiert ein Verlust war, und auch wir beide haben uns seitdem nur noch ein paarmal getroffen. (Aber falls Du das hier irgendwann mal zufällig lesen solltest, Marc, dann schreib doch einfach mal ne Mail. Adresse steht am Seitenende.)

Coma - Eternal Vectors

Coma – Eternal Vectors

Wie weit Interference bis zu diesem Moment schon gediehen war, weiß ich leider nicht, aber ich meine, dass Microforce mal in einem Interview gesagt hat, dass im Frühjahr/ Sommer 1992 eigentlich schon sehr viel oder sogar fast alles fertig war, aber dass aufgrund des Ausscheidens von Cosmos und seiner eigenen Berufsausbildung einfach über viele Monate keine Zeit war, das Demo zu vollenden. Interference wurde schließlich im April 1993 veröffentlicht, und zu einem großen Erfolg. Ich wäre zwar gerne daran beteiligt gewesen – das gebe ich offen zu -, aber dennoch freut mich noch immer von Herzen, dass es die Beiden so weit in der Szene gebracht hatten – Chapeau!

Eternal – der frühe Vorläufer von Interference
Coma - Eternal Roller Coaster (vergrößern, damit man den Effekt richtig sieht)

Coma – Eternal Roller Coaster (vergrößern, damit man den Effekt richtig sieht)

Und hier ist nun der Interference-Vorläufer namens „Eternal“. Man wird bemerken, dass viele der Routinen schon sehr ähnlich der finalen Version sind – nur eben schon knappe 1,5 Jahre vor dem Release. Schade, dass es noch so lange gedauert hat, denn im Winter 1991/92 hätte dieses Demo bestimmt noch mehr Wellen geschlagen. Manche Routinen, wie der Roller-Coaster oder die 7 Vektor-Kugeln in 3 Bitplanes wären zu dieser Zeit noch spektakulärer gewesen. Und die Vektor-Welt, die später in einem so gut wie in Vergessenheit geratenen „Hidden Part“ von Interference regelrecht verschwendet wurde, ist auch bereits in ihren Anfängen zu erkennen, wenngleich in dieser Version noch nicht frei begehbar. Wahrscheinlich war das auch der Teil, der bis zur Veröffentlichung am meisten überarbeitet wurde.

Coma - Eternal Bars

Coma – Eternal Bars

Ich muss anerkennen, dass das finale Demo auch in punkto Grafik besser aussah, als ich es hinbekommen hätte (wobei ich erst Jahre später gelernt habe, dass viele der von mir so bewunderten Grafiken in Demos auf Schallplattencover von Heavy Metal Bands zurückgingen und somit ein wenig Ernüchterung eintrat). Die Logos und Zwischenbilder von Interference sind immer noch schön anzuschauen, auch was die Farbgebung angeht. Und natürlich auch Virgills Musik hat dazu beigetragen, wenn nicht sogar den größten Teil. Die Musik hat mich auch schon im Jahr 2000 auf die Rückkehr von Japan nach Deutschland eingestimmt – und noch immer hat sie richtig Groove.

Oliver Kilb

Oliver Kilb

Schön, dass ihr vorbeischaut! Viel Spaß auf meiner kleinen Homepage.

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