Unterwegs mit dem Sagano Romantic Train

Die größte Enttäuschung im Urlaub war die Fahrt mit dem Sagano Romantic Train. Hier verspricht der Name leider mehr als das Erlebnis später halten kann.

Der Sagano Romantic Train
Einfahrt des Sagano Romantic Train

Einfahrt des Sagano Romantic Train

Im Westen Kyotos schlängelt sich der Fluss Katsuro durch einen kleinen Gebirgszug und die Hozu-Schlucht. Dort wurde im Jahr 1899 die erste Bahnlinie eröffnet, die von Kyoto in Richtung Norden führte. Sie folgte im Wesentlichen dem Fluss, was zwangsläufig zu vielen Kurven und Tunneln führte. Mittlerweile führt längst eine neu gebaute Trasse wesentlich geradliniger durch die Berge, und somit wurde die alte Linie überflüssig. Aber ein mehr als guter Ersatz wurde direkt im Anschluss gefunden: Mit ein wenig auf alt getrimmten Zügen die alte Strecke befahren und das Ganze als „Sagano Romantic Train“ bewerben. Und es funktioniert: Zwischen Saga und Kameoka verkehrt nun dieser Zug, und üblicherweise sind Fahrten jeden Tag gut ausgebucht. Wir haben unsere Karten auch ein wenig vorher gekauft.

Ein Waggon war ohne Dach

Ein Waggon war ohne Dach

Jeder Zug hat 5 Wagen, wobei einer davon anscheinend immer komplett offen, also ohne Dach fährt. Die restlichen Wagen haben hölzerne Sitzbänke, die nicht nur ein wenig unbequem, sondern auch noch recht eng sind. Zwei normale Europäer rücken sich schon ordentlich auf die Pelle. Und da diese in Vierergruppen zusammengestellt sind, hat man auch automatisch sehr dicht ein weiteres Pärchen vor sich. Also, es ist vielleicht „romantisch“ gemeint, aber leider wäre hier ein wenig mehr Luxus wohl besser gewesen. Wir sind in der Saga Torokko Station eingestiegen und fuhren flussaufwärts in Richtung Kameoka. „Torokko“ (トロッコ) soll übrigens von einer Verballhornung des englischen Wortes „Truck“ kommen und hier eher im Sinne einer „Lore“ verstanden werden.

Die Fahrt
Blick nach draußen

Blick nach draußen

Und kaum hat man sich irgendwie hingesetzt, geht es auch schon los. In dieser Fahrtrichtung liegt der Fluss (und somit auch die Schlucht) zu Beginn auf der linken Seite, und wir waren gleich noch mehr enttäuscht, weil wir auf der rechten Seite saßen und von dort aus wirklich gar nichts sehen konnten, aber nach ein paar Minuten überquert man eine Brücke, und für den Rest der Fahrt liegt der Fluss auf der rechten Seite. (Blöd für die Passagiere auf der linken Seite.) Das heißt allerdings nicht, dass man ab diesem Moment eine „romantische Fahrt“ hat, denn man sieht ehrlich gesagt kaum etwas. Fast immer sind Bäume direkt vorm Fenster, es geht durch viele Tunnel, und wenn man ganz ehrlich ist: Es ist nur eine Bahnfahrt neben einem Gebirgsfluss. Vielleicht bin ich von Bayern verwöhnt, aber ich fand es sogar langweilig.

Kombi mit Bootstour
Eines der Boote für den potenziellen Rückweg

Eines der Boote für den potenziellen Rückweg

Bei gutem Wetter, und wenn es nichts ausmacht ein wenig nass zu werden, kann man sich überlegen, mit dem Boot zurückzufahren. Es werden verschiedene Optionen angeboten: Vom Schlauchboot, wo man selbst rudern muss, bis hin zum großen Holzboot, in dem man nur sitzen muss und anderen das Steuern überlässt. Das sah nach sehr großem Spaß aus, aber ich konnte leider nicht sagen, in welchem Umfang man nass wird und ob überhaupt Dinge wie zum Beispiel der Fotoapparat mitgenommen werden dürfen. An heißen Tagen (und davon kann es in Kyoto einige geben) ist das bestimmt eine schöne Erfrischung.

Ein wenig enttäuscht
Wie sie kucken!

Wie sie kucken!

Wenn man neben dem nicht ganz so romantischen Ausblick auch noch die Enge, das Wackeln und den ständigen Lärmpegel mit einbezieht, dann muss ich sagen: Das lohnt sich wirklich nicht! Da ist eine normale Bahnfahrt zwischen Neustadt an der Weinstraße und Kaiserslautern durch den Pfälzer Wald wesentlich romantischer (man kommt da auch am Ort „Frankenstein“ vorbei, wenn man Grusel bevorzugt). Die Fahrt ist dafür nicht besonders teuer, aber wenn man nicht direkt Hin- und Rückfahrt bucht (auf die Idee sind wir ehrlich gesagt gar nicht gekommen), muss man von Kameoka zu Fuß ein paar Minuten zum JR Bahnhof Umahori gehen und von dort aus nach Saga-Arashiyama zurückfahren. Die sollten mal mit der Zugspitzbahn fahren, oder mit der Wendelsteinbahn, wenn sie mal etwas Romantisches in den Bergen sehen möchten.

Video von der Fahrt

Damit man sehen kann, dass ich nicht so übertreibe, ist hier ein Video, das knapp 7 Minuten lang einen großen Teil der Fahrt zeigt, inklusive den vielen Tunnelfahrten.

20. Mai 2018


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Oliver Kilb

Oliver Kilb

Schön, dass ihr vorbeischaut! Viel Spaß auf meiner kleinen Homepage.

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1 Antwort

  1. 13. März 2019

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