1993: Techno- und Housepartys in Saarbrücken.

Anfang der 1990er Jahre kam der Techno- und House-Boom auch im Saarland an. Ich habe einige Flyer von damals mittlerweile eingescannt und stelle sie ab und zu hier vor. Den Anfang macht das Jahr 1993 – Techno in Saarbrücken.

Club No 1 – Der Technoclub in Saarbrücken
11.07.1993: Mark Spoon im Club No1, Saarbrücken

11.07.1993: Mark Spoon im Club No1, Saarbrücken

Wer im Jahr 1993 in Saarbrücken oder Umgebung Techno oder House hören wollte, der kam nicht am Club No 1 vorbei. Dort, in der 1. Etage direkt an der Fußgängerzone, legte DJ Kasimir die angesagtesten Platten auf. Ja, Platten – es war die Zeit vor den „Virtual DJs“… Aber nicht nur Kasimir legte auf: Immer wieder kamen berühmte Gast-DJs nach Saarbrücken und heizten den Gästen ordentlich ein. Wie hier in einem alten Flyer angekündigt: Markus Löffel a.k.a. Mark Spoon, einer der damals berühmtesten DJs, der mit seinem „Jam & Spoon“ Project auch die Charts stürmte. Aber zum Beispiel auch der damals noch sehr junge Paul van Dyk, wie man in der Galerie unten sehen kann, bevor er Weltruhm erlangte.

Westbam im Club No 1: Techno pur!
27.06.1993: Westbam Eintrittskarte Club No1, Saarbrücken. Techno pur!

27.06.1993: Westbam Eintrittskarte Club No1, Saarbrücken.

Neben Sven Väth, der sich zu dieser Zeit auch mal die Ehre im No 1 gab, war auch sein Konterpart Westbam aus Berlin im Juni 1993 zu Gast – an einem Sonntag! Links ist meine Karte zu sehen (die Rückseite mit den PC-Angeboten von 1993 weiter unten), ich hatte die Nummer 385. Für Inhaber einer No 1 Clubkarte kostete der Eintritt 3 DM, für das „normale Volk“ aber auch nur 10 DM. Natürlich hatte ich zu dieser Zeit eine Clubkarte, ein Scan folgt bestimmt mal irgendwann. So bis 1994 war es nämlich durchaus nicht einfach, in diesen Club eingelassen zu werden, weil er am Wochenende immer voll war. Das ließ aber nach, als andere Discos in Saarbrücken Konkurrenz machten und eine nicht ganz so elitäre Türpolitik erkennen ließen.

Flyer-Kollektion „Club No 1 Saarbrücken“ aus dem Jahr 1993
Space Party im Lagera
15.05.1993: Third Space Party im "Lagera", Saarbrücken

15.05.1993: Third Space Party im „Lagera“, Saarbrücken

Aber es gab natürlich auch andere gute Partys. Zum Beispiel die Space Party, die im „Lagera“ stattfand. Eine coole, wenngleich auch zu Beginn leicht baufällige Location. „Lagera“ wurde auch als „La Gera“ interpretiert – aber eigentlich stand es für die Industriehalle „Lager A“ im Saarbrücker Industriegebiet Ost. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, dass der Dancefloor in der ersten Etage war, und dass der Boden durch die Tanzenden so ins Schwingen geriet, dass über einige Stunden nur eine streng abgezählte Anzahl Personen tanzen durfte. Und die Plattenspieler mussten auch schwingend gelagert werden – während der Veranstaltung! -, weil selbst die Technics SL 1210 MK II anfingen zu springen. Unterhalb der Tanzfläche waren die Chillout-Areas und Theken, aber ich habe mich zeitweise nicht getraut, mir etwas zu trinken zu holen – weil die Decke wirklich so massiv vibrierte und schwankte, dass der Staub nur so herunter rieselte. Bei späteren Partys hatte man das aber im Griff – zum Glück :). Die Eintrittskarten waren wirklich absichtlich so „gerissen“, wie man es in den Bildern sieht, und nicht sauber ausgestanzt.

Aber auch im „Heaven“ wurde zu Techno getanzt, wenngleich dort normalerweise eher ganz andere Musik lief und ein Techno-Fan nie auf den Gedanken gekommen wäre, dort zu feiern. Ein weiteres Zeichen dafür, dass diese Musikrichtung damals einfach unglaublich dominant war.

Frontpage on Tour!
09.10.1993: Frontpage on Tour, Club No1, Saarbrücken

09.10.1993: Frontpage on Tour, Club No1, Saarbrücken

Bis Mitte der 1990er Jahre war die Frontpage das einflussreichste Techno-Magazin in Deutschland. Stilbildend und prägend – auch was das Design angeht!  Wirklich krasses Layout, Schriftarten, Themen – die Frontpage war unglaublich begehrt. Der Chefdesigner Czyk setzte sich hier wirklich ein Denkmal.

Zur Hochzeit, um 1993/ 1994, nutzte die in Berlin herausgegebene Frontpage folgerichtig auch ihren Einfluss, um zusammen mit den ebenfalls in Berlin ansässigen DJs um Westbams Plattenlabel Low Spirit eine „Rave-Tournee“ durchzuführen. Genannt „Frontpage on Tour“, führte diese Tour durch das ganze Land und machte in ausgewählten Clubs Station.

09.10.1993: Frontpage on Tour, Club No1, Saarbrücken

09.10.1993: Frontpage on Tour, Club No1, Saarbrücken

In Saarbrücken war das natürlich der Club No 1. Als Headliner legte DJ Tanith auf, dessen damaliges Markenzeichen der Camouflage-Look und eher härterer Techno war.

Rückblickend gesehen war diese „Frontpage on Tour“ Veranstaltung ein furchtbar überhyptes Event – man feierte sich einfach selbst zu dieser Zeit, weil man so froh war, so cool zu sein oder zumindest so zu wirken.

Von mir gibt es auch noch ein Videoband aus dieser Zeit, als ich für den Saarländischen Rundfunk einen O-Ton zum Thema „Jugendbewegung Techno“ abgegeben habe. Auf der Treppe vor dem Eingang ins No 1, natürlich… Aber ich glaube, diese VHS-Kassette werde ich nicht mehr digitalisieren – zumindest stelle ich sie nicht live, denn was ich zusammen mit den beiden anderen zufällig ausgewählten Damen von mir gegeben habe, war zwar ziemlich cool.

Zumindest dachte ich das damals.

Aber schon ein paar Monate später war mir mein eigenes, abgehobenes Statement einfach nur peinlich 🙂

Ich werde in unregelmäßigen Abständen noch weitere Flyer hochladen. Auch welche vom Omen – und auch von der Einladung zum 4. Omen-Geburtstag.

Mittlerweile habe ich einen Beitrag zur Techno-Szene in Saarbrücken 1994 und später live gestellt.

Oliver Kilb

Oliver Kilb

Schön, dass ihr vorbeischaut! Viel Spaß auf meiner kleinen Homepage.

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9 Antworten

  1. Markus Peets sagt:

    Hallo Oli…
    Ich bin in der Techno Szene groß geworden. Anfangs mit Karotte auf dem Boot, haben wir uns dieses damals absolut Neue Hörgefühl wie Orgasmen eingesaugt. Es waren die geilsten Jahre meines Lebens.
    Ich komme auf deine Seite, weil ich etwas suche, das ich seit dieser Zeit vermisse. Während meiner Party Zeiten, welche später dann traditionell im Cage bei den Feiergiganten, der Schwulen und Lesben Szene, bereits Donnerstags startete, lief zum Abschluss immer ein TechHousestück. Ich wusste den Namen mal. Aber mir hat ein guter Freund damal gesagt, dass es mitproduziert wurde vom Club No.1 oder von jemandem, der dort involviert war. Nun dachte ich an Kasi, neben Apex und Senna einer meiner damaligen Kumpels, zu denen aber kein Kontakt mehr besteht. ( Die Jahre bleiben nicht stehen) 🙁
    Vielleicht kannst Du mir einen Tip geben, wonach ich suche. Es ist ein Schlüsselstück zu meinen Erinnerungen an exzessive Partyzeiten, an die ich mich gerne, unterstützend von dem Stück, erinnern würde.
    mit den allerbesten Grüßen
    Fish

    • Oliver Kilb Oliver Kilb sagt:

      Hui, schwierig… Ist ja schon ne ganze Weile her 🙂

      Eigentlich fällt mir da nur wenig ein – Am ehesten noch wohl ein Stück, an dem der Walter Merziger beteiligt war.

      Walter Merziger war zusammen mit dem Arno Kammermeier und Peter Hayo Anfang der 1990er Jahre mit der Band „Planet Claire“ regional bekannt, vor allem mit der Single „Heaven in your Hands“.

      –> https://youtu.be/ozLckG2ATaA

      Etwas später hat Walter Merziger dann mit anderen zusammen das Houseprojekt „Degeneration“ gemacht, und ich meine, dass deren größter Hit „Una Musica Senza Ritmo“ in dem einen oder anderen Mix zu der Zeit oft gespielt wurde. Vielleicht ist er das?

      –> https://youtu.be/M2_afGDht5A

      Später wurde er noch ein wenig härter (Techno), und hat mit Synesthasia einige Tracks für Harthouse veröffentlicht (mein Favorit: „Peak 43“)

      –> https://youtu.be/DX9uQpb_UkI

      Vielleicht konnte Dir das helfen? Ist leider schon ziemlich lange her… 🙁

      Gruß
      Oliver

      • Markus sagt:

        Geil Oli… Du bist der Größte…..
        Genau das ist es. Una Musica Senza Ritmo. Sorry, dass ich mich so spät melde. War lange unterwegs…
        Vielen Dank für deine Hilfe und bitte entschuldige meine späte Reaktion.

  2. Tanja sagt:

    Hallo Oli,

    damals war ich auch regelmäßig jedes WE in Saarbrücken unterwegs, um Party zu machen…Das war jetzt im Rückblick gesehen schon eine irre Zeit..
    Wir waren meist abends im Flash (St. Wendel) und im Anschluss zur After-Hour im Heaven..Mega voll war es dort immer… House Musik vom Feinsten!

    Ein Club, der mir noch dunkel in Erinnerung geblieben ist, ist das Charasan oder so ähnlich. Sagt Dir das was?

    Nun ja, ist doch schon eine ganze Weile her:-)

    Grüße aus Berlin, Tanja

    • Oliver Kilb Oliver Kilb sagt:

      Hallo Tanja,

      oh ja, das Flash… die Strecke zwischen Neunkirchen und St. Wendel erscheint gerade vor meinem geistigen Auge – ich glaube, ich kenne die Strecke gar nicht bei Tageslicht 🙂 (außer vielleicht bei aufgehender Sonne…). Dort sind mal Awex aufgetreten (YouTube: Awex – It’s our Future), daran erinnere ich mich auch gerade. Nur leider gab’s von dem Gig entweder keine besondere Eintrittskarte oder ich hab sie weggeworfen.

      Das Heaven war auch etwas Besonderes – ich war auch hin und wieder dort, wenn sie die „andere“ Musik gespielt haben…

      Ein Club, der so oder so ähnlich heißt wie Du oben schreibst, sagt mir leider gerade nichts. Aber mir fällt auch gerade wieder ein, dass es eine Weile einen Club am Bahngelände gab, ganz in der Nähe vom Heaven. (Zwischen Heaven und Polizeiinspektion Saarbrücken-Brebach, dort wo laut Google Earth heute eine Moschee ist.) Und dessen Name fällt mir gerade überhaupt nicht mehr ein. Könnte es der gewesen sein? Kasimir hat dort auch aufgelegt, und es müsste so um 1994/1995 herum gewesen sein.

      Wie ich sehe, gibt es auch das „Eve Cabaret“ noch an der Brebacher Landstraße, unglaublich. Dort fand auch mal der so genannte „Cabarave“ statt – eine Houseparty im Cabaret. War auch mal etwas Anderes 🙂

      Ich sehe schon, ich müsste demnächst mal den nächsten versprochenen Beitrag schreiben.

      Grüße zurück aus München!

  3. Dirk G sagt:

    Hallo Oliver,
    Der Club auf dem Bahngelände hieß Eishaus, weil es früheres Kühlhaus war. Wurde deshalb auch Kühlhaus genannt. Charasan war eine Schwulen- und Lesbenclub den es schon in den 80zigern gab. Eine sehr angenehme Disco, damals gab es ja noch keine Clubs.
    VG Dirk

  1. 3. Februar 2018

    […] In einem früheren Beitrag habe ich mir das Jahr 1993 vorgenommen. Damals kam der Techno gerade mit voller Wucht in Saarbrücken an, nachdem es zwar natürlich schon einige Jahre zuvor Techno-Partys im Gloria gegeben hat, es aber noch eine Weile dauerte, bis Techno in Saarbrücken im Mainstream ankam. Der Club No. 1 war nach wie vor eine, nein die Institution in Bezug auf Gast-DJs und Partys. Von den damals aufgetretenen DJs sind auch heute noch einige bekannte Namen zu lesen. […]

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