10.04.2000: 火山 – Kazan!

Was soviel bedeutet wie ‚Feuerberg‘ – oder eben auf gut Deutsch ‚Vulkan‘. Vor knapp 2 Wochen ist in Sued-Hokkaido der Usu-Vulkan ausgebrochen. Ein ziemlich spektakulaeres Schauspiel.

Zum Glueck kam dieser Ausbruch nicht unerwartet: In den japanischen Medien wurde schon Tage vorher darueber berichtet, dass ein Ausbruch unmittelbar bevorsteht. Daher wurden bereits die meisten direkt betroffenen Einwohner rechtzeitig evakuiert. Natuerlich standen rund um die Uhr zig Kameras bereit, um den ‚grossen‘ Moment einzufangen.

Erzaehlen Sie mir bitte noch einmal, wie der Schaden entstand. In Ihrem Bericht steht, Sie befanden sich am Hang eines kurz vor dem Ausbruch befindlichen Vulkans…

Ein Kamerateam hat sich wohl dennoch ein klitzekleines bisschen zu weit vorgewagt, denn just in dem Moment, in dem sie vor einer Flanke des Vulkanes filmten, brach eine Spalte an eben jenem Hang auf und spuckte Asche. Natuerlich war die Panik gross, und mit laufender Kamera sprang die gesamte Crew in ihren Bus, der auch prompt mit quitschenden Reifen losfuhr. Keine Sekunde zu spaet uebrigens, denn kaum in relativer Sicherheit, hoerte man bereits die ersten Steine auf dem Dach des Busses aufschlagen. (Ich frage mich, ob die Versicherung den Schaden bezahlt.) Sie hatten Glueck gehabt, dass es wohl nur Steine von der Groesse eines Kiesels waren, denn was die anderen Kameras an anderen Haengen so einfingen, sah wesentlich spektakulaerer aus. Aus der Ferne haette man noch denken koennen, dass das, was da so gemaechlich durch die Luft trudelt, ebenfalls nicht sehr gross sein mag. Beim Aufschlag auf den noch schneebedeckten Boden allerdings wurde man eines besseren belehrt: Wie Bomben schlugen diese teilweise hunderte von Metern in die Hoehe geschleuderten Felsbrocken auf der Erde ein… Natuerlich ist dieser Ausbruch von hunderten von Erdbeben eingelaeutet worden, und auch waeherend des Ausbruches tut sich da tektonisch so einiges: Mittlerweile sind riesige Spalten in dem betroffenen Gebiet entstanden, die sich auch teils durch Haeuser hindurch ziehen. Ein Ende des Ausbruches ist derzeit noch nicht abzusehen, was den Verkehr auf Hokkaido ziemlich beeintraechtigt, denn der Vulkan liegt direkt an 2 der 3 Hauptverkehrsadern.

Privates Hanami mit Freunden

Privates Hanami mit Freunden

Auch ich in Kumamoto hatte mal wieder ein (fuehlbares) Erdbeben. Mittlerweile duerfte ich so knapp 10 Erdbeben mitbekommen haben, wie ich denke. Irgendwann letztes Jahr gab es in einer Nacht sogar 3 fuehlbare Erdbeben innerhalb von wenigen Stunden.

Hin und wieder leihe ich mir in der Videothek ein Video der ‚X-Akten‘ aus, und da diese auf Englisch sind, bekommt man so hin und wieder ein paar drollige Sachen mit, die bei der (deutschen) Synchronisation leider unter den Tisch fallen. Manchmal zwangslaeufig, manchmal unnoetig. So haben manche Folgen im Original deutsche Titel (Z.B: ‚Die Hand, die verletzt‘ in einer Folge mit schwarzen Messen), oder es wird sogar deutsch gesprochen (in der 6. Staffel gibt es eine Folge, in der Mulder auf ein ‚Titanic‘-aehnliches Kreuzfahrtschiff aus den 30ern geraet, das von Nazis (welch Ueberraschung) besetzt wird. Dort trifft er viele alte Bekannte – in SS-Uniformen. Und der Chef der boesen, boesen Deutschen ist – wen wundert´s? – der zigarettenrauchende ‚Krebskandidat‘. Dieser spricht uebrigens gutes Deutsch, was man nicht von allen behaupten kann.)

Privates Hanami mit Freunden

Privates Hanami mit Freunden

Doch ich will auf etwas anderes hinaus. In der 3. Staffel spielen in einer Doppelfolge Japaner die Hauptrolle. Diese sprechen dann natuerlich auch japanisch, und auch der Titel ist japanisch: ‚Ni Sei‘ (‚Die 2. Generation‘). Was dann auf japanisch gesprochen wird, macht auch wirklich Sinn – wenn es auch nicht wirklich wichtig fuer die Handlung ist (‚Was ist denn das?‘, ‚Lass uns verschwinden!‘ usw.). Allerdings haben sie sich einen dicken Patzer geleistet: Zweimal wird Mulder Manuskripte durchblaettern, die mit einer japanischen Handschrift vollgekritzelt sind. (Beim Durchblaettern wird er sagen, dass dies ‚auch genausogut franzoesisch sein koennte‘.) Ein geuebtes Auge wird jedoch feststellen, dass die ca. 100 Seiten starken Manuskripte in der Tat nur eine einzige, 100mal kopierte Seite enthalten – tststs.  OK, OK – Vielleicht etwas viel Text fuer wenig Pointe, aber -hey! ich musste mich in dieser Sache eben kundtun! (Wer es ueberpruefen will: Der zweite Teil heisst ‚731‘)

Privates Hanami mit Freunden. Im Schlosspark.

Privates Hanami mit Freunden. Im Schlosspark.

Am 1. April, an dem man auch in Japan ahnungslose Mitbuerger ueberreascht, habe ich zusammen mit Lance, Tsui und einigen anderen im Schlosspark ein privates Hanami gefeiert. Und ich moechte mal behaupten, dass es wohl nicht noch besser gehen duerfte: Wir hatten her-vor-ra-gen-des Wetter (22 Grad, sanfte Brise, Sonne), gute Stimmung, ausreichend (kaltes) Bier und Sake, und – am wichtigsten – die Kirschbaeume standen in voller Bluete. Irgendwann werden von diesem Ereignis wohl auch ein paar Bilder ihren Weg nach Deutschland oder ins Internet finden. (Das Hanami wird in der Regel im Freien gefeiert, und ganze Firmen treffen sich dann in Parks und bauen teilweise riesige Buffets auf.)

Privates Hanami mit Freunden

Privates Hanami mit Freunden

Wir wollten schon aufbrechen, um uns etwas zu essen zu besorgen, als wir einen Pizzaservice entdeckten, der allen Anschein nach in den Schlosspark geliefert hatte. ‚Ja, hallo, einmal eine Pepperoni – gross – und Sophia Loren ohne Eier, OK? Gut, also, wir sitzen unter dem 3. Kirschbaum links nach der grossen Eiche … hallo? …‘ Also haben wir uns auch Pizza und so bestellt, die uns auch prompt wirklich in den Park geliefert wurde. Mensch, warum geht sowas nicht auch bei uns?

Vom 7. bis 9. April habe ich Christian in Sendai besucht. Das war auch wieder einmal eine sehr willkommene Abwechslung. Freitags gabs die dortige Spezialitaet zu essen: Rinderzunge ueber Holzkohle gegrillt. Im Mai wird mich Christian in Kumamoto besuchen – mal ueberlegen, womit ich dann kontern werde…

Bis die Tage! 10. April 2000

Oliver Kilb

Oliver Kilb

Schön, dass ihr vorbeischaut! Viel Spaß auf meiner kleinen Homepage.

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1 Antwort

  1. 23. September 2018

    […] lange war es her! Zuletzt habe ich Rinderzunge gegessen, als ich im April 2000 Christian während seines Stipendiums einen Besuch in Sendai abstattete. Also mehr als 18 Jahre […]

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