Olli und Computer – Wie alles begann…

Computer begleiten mich schon fast mein gesamtes Leben. Ich gehöre zu der Generation, die mit Computern groß geworden sind. Aber wie hat es eigentlich damit bei mir angefangen? 

Ende der 1970er Jahre
Pong

Pong

Ich begegne „Pong„, dem ersten wirklich populären Videospiel. Eine Begegnung, die mich geprägt hat – wer damals mit den klobigen Pads zu kämpfen hatte, der stimmt mir vielleicht zu. Auf jeden Fall wurde zum ersten Mal das Videospielfieber geweckt. Heutzutage nicht vorstellbar, wie so eine simple Idee mit solch einer spartanischen Umsetzung überhaupt irgend jemanden interessieren konnte – aber es war etwas Neues, noch nie zuvor Gesehenes!

Anfang der 1980er Jahre
Jumpman

Jumpman

Urlaub in Spanien. Sonne (wichtig!). Wasser (noch wichtiger). Und Pac-Man… Der Urlaub war somit fast gelaufen, denn immer wieder wanderten 25-Peseten-Münzen in die Automaten, und aus Sonnenbräune wurde somit auch nichts. Dafür beherrschte ich am Ende des Urlaubes solche zeitlosen Klassiker wie Pac-Man, Space Invaders (in Schwarz-Weiß!!!), Scramble, Moon Patrol, Phoenix und Galaga.

Wieder daheim. Weiterzocken. Und der erste Computer.
Olli spielt am C64

Olli spielt am C64 (Frühjahr 1986)

Ein Videospiel musste her, ganz klar! Und da ich noch keine Ahnung von Computern hatte (und mir meine Eltern eh keinen C64 für damals über 2.000 DM gekauft hätten), wurde es zu Weihnachten eben ein Atari VCS 2600 – der einzige Atari in meiner Computerlaufbahn.

Nachdem Jungle Hunt, Decathlon, Pac-Man, Ms. Pac-Man, Jr. Pac-Man etc. ausgedient hatten, schaffte es im Frühjahr 1985 doch noch ein C64 in mein Spielzimmer.

Disketten??? Damals State-of-the-Art!

Er hatte schon damals eine Floppy, die teurer war als der ganze eigentliche Rechner (600 DM für den Rechner und 550 DM für das Diskettenlaufwerk), und 10 5.25″-Disketten kosteten 50 DM. Dafür gingen immerhin 180 KByte drauf, boah ey! Und wenn man mit dem Locher geschickt umgehen konnte, dann konnte man diese Speicherkapazität sogar verdoppeln!

Titelscreen: Frankie - the computer game

Titelscreen: Frankie – the computer game

Was spielte man denn damals? Na ja, neben Summer Games und Impossible Mission („… another visitor! Stay a while – stay for EVER!“) waren die frühen Klassiker sicher Jumpman und Lode Runner. Gerade mal 60 Blocks (=30KB!!!) groß und jede Menge Spaß… Und wer denkt, dass es Spiele zum Film oder einer prominenten Person erst seit den 1990ern gibt, der hat sich getäuscht. Es gab schon früher ein Spiel zur Gruppe „Frankie goes to Hollywood“. Ein gutes übrigens. Und wer ein Exemplar im T64 oder D64-Format hat, das nicht abstürzt – bitte melden!!!

Und da der 64er zu seiner Zeit den Spielhallenautomaten durchaus ebenbürtig war, wurden die Arcade-Hits auch umgesetzt, wie z. B. Ghosts’n’Goblins.

Mitte der 1980er – Generation Amiga

Die Zeit des 64ers ging für mich zu Ende, als ich Anfang 1987 bei meinem Nachbarn einen Amiga 500 in Aktion sah. Klar, dass dann ein paar Wochen später auch so einer bei mir im Wohnzimmer stand – billiger als damals der 64er, dafür aber besser ausgerüstet: 4096 Farben, bis 640×512 Pixel (bei 25Hz!!!), 512KB RAM und schon damals 3,5″-Disketten mit 880KB! Für die Disketten musste man damals, je nach Marke, zwischen 70 und 120 DM für ein 10er-Pack hinlegen – teuer… Nur Spielen war dann schnell zu langweilig. Außerdem keimte damals gerade die Demoszene auf, und wir – ein paar Freunde und ich – wollten dazu gehören. Also lernten wir … und einer meiner Freunde lernte besonders schnell und gut (letztendlich hat er als „Cosmos“ Teile des „Interference“ Demos von Sanity programmiert). Jetzt mussten wir uns nur noch einen Namen zulegen. Das taten wir auch – und oft!!! Unser erster Versuch war S.D.I. – Software Destruction Initiative. Ein schrecklicher Name! Und außer einer „R-Type Slideshow“ gab’s auch nix, was erwähnenswert gewesen wäre. Dann ging’s weiter. reality1Der nächste Versuch war REALITY. Hier brachten wir es immerhin zu einigen Demos, die auch außerhalb unseres Freundeskreises beachtet wurden. Unser größter Erfolg war die verbesserte Nachprogrammierung von SPREADPOINTs „Wooow“-Demo. reality2Auf der AMIGA ’90 in Köln lernten wir dann noch ein paar Jungs aus unserer Nachbarschaft kennen: AXIOM aus Neunkirchen/Saar. Mit denen taten wir uns dann zusammen. (Und einer von ihnen programmierte später als „Microforce“ den Rest des oben erwähnten „Interference“.)

visdomOK, Reality war auch nicht der große Bringer, und wir benannten uns nach einem nie veröffentlichten Demo unter dem Namen „Paramount“ wieder um und versuchten es mit VISDOM. Das brachte uns insofern den Durchbruch, da mittlerweile andere Gruppen auf uns aufmerksam wurden – wir besserten uns. Doch auch diese Zeit ging dem Ende entgegen, als uns andere, zu dieser Zeit bekanntere Gruppe anboten, sie zu „joinen“, was wir dann auch taten. Hier trennten sich dann allerdings leider unsere Wege, was ich noch heute persönlich sehr bedauere, aus den unterschiedlichsten Gründen…

coma… und fortan gehörte ich zu COMA, die zu dieser Zeit ein erfolgreiches Diskettenmagazin herausbrachten, nämlich McDisk.
Für dieses Magazin konnte ich immerhin Interviews mit Größen wie Factor 5 und den Gründern der Power Play wie z. B. Boris Schneider (mittlerweile für die X-Box Deutschland zuständig [Anm.: Das war zum Zeitpunkt, als ich diesen Beitrag ursprünglich schrieb.]) beisteuern. Aber Demos coden war dann auch nicht alles, und schon immer wollten wir auch Kohle machen mit unserem Können. Da damals Jump ’n‘ Run – Spiele sehr populär waren, wollten wir uns daran natürlich beteiligen. gianasistersWir dachten da an einen Giana Sisters – Clone. Erste Studien haben die Zeit überdauert – entstanden sind sie ca. 1991. Und jetzt werden sie doch noch „veröffentlicht“…

… welch eine Ironie, dass diese Grafiken jetzt nur noch auf dem PC existieren, dem Computer, dem man keine Spielequalitäten zugetraut hätte…

Anfang der 1990er – Aufbruch zu Profi-Ufern
Cross Check Boxshot

Cross Check Boxshot

Und dann lockte wieder der Ruf nach Geld. Aber dieses Mal schien das Vorhaben mit Erfolg gesegnet zu sein. Leicht, zu leicht schien es: Eine Auftragsarbeit für Demonware, Abnahme garantiert. Und so stürzten wir uns wieder wild drauf los. Von einigen von damals existieren sogar noch Fotos aus dieser Zeit.

bullyUnd das Spiel wurde sogar wirklich vermarktet: „Cross Check“ kam 1994 auf den Markt im Vertrieb von Sunflowers, einer Tochterfirma von Bomico. Auf dem Amiga hatte es sogar über einige Wochen den Platz 1 inne…

Die kalte Dusche …

spielUnd alle lebten reich und glücklich bis ans Lebensende…… bis ans Lebensende??? Reich und glücklich??? Reich??? – Fast! Denn leider, leider musste unser Produzent Konkurs anmelden. Zum Glück (für ihn) hatte er aber bereits unser Spiel an Sunflowers verkauft – und die dachten natürlich nicht im Traum daran, uns ebenfalls zu bezahlen… Ersatzweise wäre ich  auch wenigstens mit einem alten Original-Exemplar zufrieden gewesen. Denn noch nicht einmal das sprang für uns dabei heraus! Schon ein wenig unprofessionell, was sich da auch Sunflowers damals geleistet hat, aber Schwamm drüber. Derart entmutigt, verlief auch die zu 90% vollendete PC-Version im Sande, zusammen mit den ersten Testversionen der Super Nintendo Fassung… und auch unser letztes Projekt, ein SciFi-Ballerspiel… auch mal schade, denn der Code war fast fertig!

Und damit endet die Geschichte: Viele Anläufe, wenig Erfolg. Aber wir hatten unseren Spaß – und immerhin haben wir es wenigstens probiert! Und was wurde aus den Protagonisten unserer kleinen Geschichte? Sie alle leben jetzt glücklich bis an ihr Lebensende: Als Informatiker, Zahnarzt, erfolgreicher selbstständiger Geschäftsmann (keine Software ;-))… Also doch eine „Success Story“, nur nicht in der Spielebranche.

Anmerkung: Mittlerweile habe ich – dank eBay – ein Originalexemplar von Cross Check in meinem Besitz.

Dieser Artikel erschien zum ersten Mal im Jahr 2002 auf meiner Homepage.

Oliver Kilb

Oliver Kilb

Schön, dass ihr vorbeischaut! Viel Spaß auf meiner kleinen Homepage.

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5 Antworten

    • Oliver Kilb Oliver Kilb sagt:

      Ja, über eBay bin auch ich fündig geworden, sonst hätte ich kein Original… und dass, obwohl ich ein Mitglied des Entwicklungsteams war… Da hat sich Bomico sehr, sehr umprofessionell verhalten!

  1. Gerry sagt:

    Hoppla, arbeite mich seit gestern durch Deinen Blog und habe gerade erst Deinen Blogpost vom 08.07.2006 über Dein Original von „Cross Check“ entdeckt…

  1. 18. Januar 2015

    […] einen Ausflug in die Gamebranche unternommen haben. Was genau passiert ist, das kann man hier, und hier, aber auch hier auf meiner Homepage nachlesen. Vor einiger Zeit habe ich mir mal die Mühe gemacht, […]

  2. 5. Januar 2017

    […] Einige frühe Grafiken und Animationsstudien haben die Zeit überlebt und wurden schon in einigen Artikeln hier beschrieben. Und einen Leveleditor für dieses Spiel gab es auch schon. Leider habe ich keine […]

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